Stellungnahme für ein Modul „Geschichte-Theorie-Ethik“ im Psychotherapiestudium

Auf https://gtepsychotherapie.org ist seit Kurzem eine Stellungnahme zu finden, welche ein Modul ‚Geschichte-Theorie-Ethik‘ (GTE) im geplanten Psychotherapiestudium fordert. Solch ein Modul gibt es bereits in der Medizin und es ist erfahrungsgemäß ein Fach, in dem gesellschaftliche Reflexion und kritische Inhalte gelehrt werden können. Dazu gehört logischer Weise auch die Auseinandersetzung mit Gender-Fragen und Sexualität.

Aktuell besteht Im psychotherapeutischen Bereich eine paradoxe Situation. Einerseits sind Psychotherapeut*innen an Stellen tätig, die eine hohe individuelle Verantwortung erfordern und eng mit gesellschaftlichen Wertvorstellungen sowie ethischen Fragen verbunden sind. Neben der privaten Praxis und der Psychiatrie zählen hierzu beispiels­weise Psychoonkologie, Forensik oder Beratungsstellen zu Sexualität, Partnerschaft, Erziehung oder zum Schwangerschaftskonflikt.

Andererseits fehlt in der Ausbildung eine Beschäftigung mit gesellschaftlichen Werten und Verantwortung – oder sie erfolgt allen­falls marginal und auf freiwilliger bzw. sehr oberflächlicher Basis. In der bisherigen Ausbildungsstruktur war weder im Psychologiestudium noch in der anschließenden Psychotherapieausbildung eine systema­tische und umfassende Reflexion von gesellschaftlichen und ethischen Fragen in der Psycho­therapie vorgesehen. Auch in der geplanten Reform der Psychotherapieausbildung bestehen hier weiterhin Defizite.

Ein Beispiel für den fehlenden Reflexionsraum ist die sogenannte ‚Konversionstherapie’. Erst auf Grund des Drucks von Aktivist*innen wird nun deren Verbot diskutiert. Dagegen fand innerhalb der klinischen Psychologie und Psychotherapie nie eine Problematisierung des Themas statt – obwohl es gerade Psychotherapeut*innen sind, die Konversionstherapien anbieten.

Auch veränderte gesellschaftliche Einstellungen zu Sexualität, sei es z.B. Homosexualität oder Trans*gender, werden im Feld der Psychotherapie wenig diskutiert. Dies kann für Betroffene, sie sich in Psychotherapie begeben, negative Konsequenzen haben.

Auf https://gtepsychotherapie.org kann die Stellungnahme mitunterzeichnet werden.

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2. Tagung „Feministische und queere Perspektiven für die Psychologie“

Vom 9. bis zum 11.3.2017 findet an der Universität Köln die zweite Tagung zu feministischen und queeren Perspektiven für die Psychologie statt. Weitere Infos und ein Call for Papers sind unter http://blog.hf.uni-koeln.de/fqpii/ zu finden.